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Pedro Lenz liest in der Alten Mühle aus “Plötzlech hets di am Füdle”
Mittelland Zeitung MZ, Region Langenthal, 7. November 2009
Längst ist Pedro Lenz kein Geheimtipp mehr - viel eher Kult. Seine Lesung wurde von über 240 Personen besucht. Kurzweilig und vergnügt, tiefsinnig und sensibel, las der Autor seine berndeutschen Texte.
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von BRIGITTE MEIER
Pedro Lenz verleiht Menschen eine Sprache, die nicht im Zentrum des Interesses stehen: Präzise setzt der gelernte Maurer Wort für Wort, so wie früher die Bausteine. Später holte er die Matura nach und absolvierte ein Sprachstudium, bevor er sich dem Schreiben widmete. 2005 wurde der Langenthaler von seiner Heimatstadt mit dem Kulturpreis ausgezeichnet. Er hält an seinen Wurzeln fest, obwohl er schon lange in Bern lebt. Unter den Zuhörern in der Alten Mühle befand sich auch Mercedes Lenz, die ihren Sohn mit Mutterstolz begrüsste. Musikalisch umrahmt wurde die Lesung von Estephan Hotz aus Zofingen. «Wir hätten doppelt so viele Tickets verkaufen können», sagte Organisator Daniel Bader von der Bader AG Büro Design.
Sensibler Sprachvirtuose
Pedro Lenz fällt auf, was andere überhören – Aussenseiter beobachtet er besonders liebevoll. Etwa Berni Egger, dessen Frisbee am Burgäschisee in den Badekorb einer Lehrerin fliegt und in deren grüne Augen er sich unsterblich verliebt; oder Greppehugo, der keinesfalls werden will wie sein Vater, der jeden Samstag das Auto schamponierte. Bei dieser Geschichte konnte er sich e inLachen nicht verkneifen: «Im Saal sitzt ein Schulkollege, der diese Figur kennt», sagte Lenz. In bekannt temporeicher Manier rief er Erinnerungen an die 70er-Jahre und die Nachmittage auf der Kunsteisbahn Schoren hervor. In diesem «Schlöf-Klassiker» wird Vaters Zweifränkler nicht für eine heisse Ovo benutzt, sondern um zigmal die Hitsingle «In Zaire» auf dem Wurlitzer zu spielen und Chantal zu den Reggae-Rhythmen zu küssen.
Der 44-Jährige faszinierte mit seiner Gestik und seiner sprachlichen Fertigkeit. Er setzte Tempowechsel, erhob die Stimme, mal leidenschaftlich und temperamentvoll, trotz aller Ironie, stets begleitet von leiser Melancholie. Gebannt schienen die Zuhörer an den Lippen von Lenz zu hängen. Darunter ist Karin Farley, die all seine Bücher besitzt. «Es ist ein Ereignis, wie er seine Texte vorträgt und jedes Mal anders. Wir lachen Tränen und sind gleichzeitig zu Tränen gerührt.»
Nach begeistertem Applaus erzählte er eine Geschichte, die ihm besonders am Herzen liegt: Willi wurde beim Fussballspielen im Quartier zum Schiedsrichter bestimmt und Jahre später sagten ihm Schulkollegen immer noch respektvoll «Sali Schiri». Einmal mehr widmete sich Pedro
Lenz den vermeintlichen Nebensächlichkeiten und beschrieb Menschen und deren Schicksale – Menschen wie du und ich.