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Der Bund, 22. September 2010
Für den Schweizer Buchpreis hat die Jury Dorothee Elmiger, Urs Faes, Pedro Lenz, Kurt Marti und Melinda Nadj Abonji nominiert.
Der Bund vom 22. September 2010 (pdf)
Nominationen Schweizer Buchpreis 2010 (pdf)
Für den Schweizer Buchpreis 2010 hat die fünfköpfige Jury zwei Autorinnen und drei Autoren nominiert. Ins Rennen geschickt um die Preissumme von 60000 Franken – für den Gewinner sind 50000 Franken reserviert – werden folgende Werke: Der Erstling «Einladung an die Waghalsigen» der 25-jährigen Dorothee Elmiger (DuMont), der Krebs-Roman «Paarbildung» (Suhrkamp) von Urs Faes, der Mundartroman «Der Goalie bin ig» von Pedro Lenz (Verlag der gesunde Men- schenversand), die gesammelten Kolumnen «Notizen und Details 1964–2007» (Theologischer Verlag Zürich) von Kurt Marti und die Immigrations-Saga «Tauben fliegen auf» ( Jung und Jung) von Melinda Nadj Abonji. Der Roman der 42-jährigen Zürcherin mit ungarischen Wurzeln hat es kürzlich auch auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft.
«Überrascht und erfreut» zeigt sich der 89-jährige Schriftsteller und Pfarrer Kurt Marti in einer ersten Stellungnahme zum Erfolg eines Buchs, das bereits seine dritte Auflage erlebt und so eigentlich gar nicht geplant war. Martis gesammelte Kolumnen zu den Themen der Zeit (vom Prager Frühling bis zur Expo.02, von der Krise des Kirchenlieds bis zu Tschernobyl), erschienen zwischen 1964 und 2007 in der Zeitschrift «Reformatio», sind Anfang Jahr auf 1400 dünn gedruckten Seiten veröffentlicht worden. «Das Buch ist auch das Verdienst der Herausgeber Hektor Leibundgut, Klaus Bäumlin und Bernard Schlup», betonte Marti, der dem Buch zuerst «skeptisch» gegenüberstand. An die Preisverleihung und an die mit der Nomination verbundenen Lesungen wird er nicht reisen: «Ich bin am Erblinden und auch nicht mehr mobil genug.»
Eine Premiere stellt die Berücksichtigung von Mundartliteratur dar: In seinem Romandebüt «Dr Goalie bin ig» erzählt der 45-jährige Pedro Lenz die Geschichte eines aus dem Gefängnis entlassenen Ex-Junkies, der in seiner Oberaargauer Kleinstadt als sprachmächtiger Überlebenskünstler einen kleinen Zipfel des Glücks zu erhaschen versucht. Von den zwei Auflagen mit insgesamt 10 000 Exemplaren sind laut Verleger Matthias Burki bereits 8000 Exemplare verkauft worden. «Eine dritte Auflage hatten wir ins Auge gefasst, wir ziehen sie wegen der Nomination jetzt vor.» Der Mundartroman läuft laut Burki in der ganzen Deutschschweiz sehr gut, «aber in der Region Bern sind die Verkaufszahlen natürlich besonders hoch».
Für den Buchpreis 2010 eingereicht wurden insgesamt 69 Titel, 8 mehr als im Vorjahr. Vergeben wird die Auszeichnung vom Verein Literaturfestival Basel und dem Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband (SBV). Erster Preisträger war 2008 Rolf Lappert, gefolgt von Ilma Rakusa. Verliehen wird der Preis am 14. November an der Buch Basel. Erstmals kann das Publikum dieses Jahr mittels Public Voting seinen Favoriten unabhängig vom Jury-Entscheid küren. Die Nominierten präsentieren ihre Werke am 8. und 9. Ok- tober an der Frankfurter Buchmesse am Stand des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbands sowie vom 12. bis 14. November an der Buch Basel.