Medienspiegel
Aargauer Zeitung LIVE, 13.11.2008
Der Berner Autor Pedro Lenz liest an den Kulturtagen Bad Zurzach.
Der Alltag ist eine Schatztruhe
Pedro Lenz interessiert sich für das Schicksal seines Nachbarn und für den Frust seines Freundes, für die Gewohnheiten der Tramfahrer und dafür, wie Freundinnen und Fussball zusammenpassen. Die verschiedenen Kurzgeschichten des pointierten Autors, Kolumnisten und Slampoeten finden sich in seinem neu erschienenen Buch «Plötzlech hets di am Füdle». Dort treffen all die kleinen und grossen Alltagsgeschichten aufeinander, geschrieben in breitem Berndeutsch. «Mundart ist dann gut, wenn es darum geht, eine Mündlichkeit nachzumachen», erklärt Lenz. Der 43-Jährige hat sich in den letzten Jahren immer mehr einen Namen gemacht – er schreibt, er liest und er ist Mitglied bei Hohe Stirnen und Bern ist überall. Das sind zwei Ensembles, die mit Musik und Wort-Performance ein grosses Publikum gefunden haben.
Dass Lenz so beliebt ist, hat sicher einerseits mit seinem Schreibtalent zu tun: Seine Geschichten bringen einen trotz alltäglichen Themen zum Lachen oder manchmal auch fast zum Weinen, sie bestechen durch einen Rhythmus, der sich durch die ganze Geschichte zieht, und sie gefallen mit einfachen, aber gut gewählten Worten. Andererseits ist Lenz ein wirklich grossartiger Leser und Performer. Er ist gross, hat ein cooles Auftreten, eine tiefe Stimme und verfügt über ein Erzähltalent, dass man ihm einfach gerne zuhört.
Obwohl Lenz schon immer geschrieben hat, lernte er zuerst Maurer und hat sieben Jahre auf diesem Beruf gearbeitet. «Ich komme aus einem konventionellen Umfeld», sagt der Berner. «Ich habe mir nie überlegt, dass Schreiben ein Beruf sein könnte.» Dann hat er aber zum Glück voll aufs Schreiben gesetzt und hat es bis heute nicht bereut. «Das hätte ich schon früher machen sollen », meint er und fügt schmunzelnd an: «Schreiben ist sicherer, als wenn ich auf der Bank arbeiten würde.»
Als grosser Fussballfan (vor allem natürlich von YB) hat er während der Euro 08 im «Blick» regelmässig eine Fussball-Kolumne geschrieben. Auch sonst taucht dieser Sport immer wieder in seinen Erzählungen auf, vor allem das Drumherum. «Fussball ist das Abbild des Lebens», so Lenz. «Denn schliesslich gehts dort auch um Bangen, Hoffen, Sieg und Niederlage. Alles, was das Leben bietet, einfach auf 90 Minuten komprimiert.» In «Plötzlech hets di am Füdle» gibts eine Geschichte, die dem Aarauer Brügglifeld gewidmet ist. Er ist schon einige Male in diesem Stadion gewesen. «Als ich zum ersten Mal das Brügglifeld betrat,war das schon fast ein Kulturschock», erinnert sich Lenz. Aber in der Zwischenzeit findet er das Stadion sehr speziell – und was Lenz speziell findet, das beschreibt er auch:
«. . .und abgseh dervo
mües dä Mätsch zersch ou no gspüut si,
wöus gäg Aarou nie eifach sig,
grad uf em Brügglifäud.»
Geraldine Capaul, Aargauer Zeitung LIVE, 13.11.2008
