Medienspiegel

Der Brienzer vom 13. März 2011 (pdf)
Pedro Lenz liest im Schlosskeller aus seinem Buch «Der Goalie bin ig»

Der Goalie – eine Geschichte mit Abgründen und Alkohol

Ein Verlierer, ein «Plouderi», ein Knastbruder – der Goalie, Hauptperson im Buch «Der Goalie bin ig», ist wahrlich kein Musterschüler. Aber wenn Pedro Lenz aus seinem Werk – wie zuletzt im Schlosskeller Interlaken – vorliest, wächst einem der Goalie schnell ans Herz und man hofft, dass doch alles gut kommt.

«Der Goalie bin ig», heisst der Roman von Pedro Lenz. Er erzählt die Geschichte des Goalies, der übrigens nie im Tor stand, ein Hasardeur und «Plouderi», der nach einem einjährigen Gefängnisaufenthalt wegen Drogendelikten versucht, sich wieder im Leben zurechtzufinden. Keine einfache Aufgabe. Schliesslich lebt er in einem kleinen Dorf, wo jeder jeden kennt. Im Schlosskeller las Lenz aus seinem Werk vor. Gekonnt, prägnant und packend erzählte er die Geschichte.

Das Werben um Regula
Die sympathische und ehrliche Hauptperson wankt ein wenig hilflos und naiv durchs Leben. Steht dabei aber meist auf der Verliererseite. «Seine Sicht auf die Umgebung ist getrübt vom Wunsch, sein bisheriges Leben schönzureden», wie Lenz auf seiner Homepage schreibt. Der unfreiwillige Aufenthalt in der «Villa Gitterblick» macht die Sache nicht einfacher. So sind, als in seinem Stammlokal Drogen gefunden werden, die Meinungen schnell gemacht, wem diese gehören. Dadurch erschwert sich auch das Werben des Goalies um die Serviertochter Regula. Diese erinnert ihn an «eine Eiskunstläuferin, deren Namen mir jetzt aber nicht einfällt». Da sich die Geschichte in den 80er-Jahren abspielt vermutet Lenz, es könnte sich um Katarina Witt handeln.

Immer am Abgrund
Als der Goalie einmal in Olten weilt, wo übrigens Pedro Lenz wohnt, sagt er: «Mit Städten ist es wie mit Geschichten, die traurigsten sind nicht immer die schlechtesten». Dies trifft besonders auch auf «Der Goalie bin ig» zu. Die Figuren taumeln über weite Strecke nahe am Abgrund und bewegen den Leser oder im Fall der Lesung die Zuhörer. Der Alkohol übernimmt in der Geschichte eine tragende Rolle und fliesst in Strömen. Pedro Lenz scheint von seinem eigenen Werk trotz zahlreichen Lesungen immer noch begeistert zu sein. Auf jeden Fall liest er entsprechend lustvoll und engagiert daraus vor. Das Publikum dankte ihm mit grosser Aufmerksamkeit und langem Applaus.

Schreiben in Mundart
Pedro Lenz ist ein Dichter, Schriftsteller, Kolumnist und Poetry-Slam-Performer aus Langenthal. Zurzeit schreibt er für die NZZ und die WOZ. Im Anschluss an die Lesung beantwortet der Autor noch Fragen aus dem Publikum. Die Besucher interessierten sich vor allem für das Schreiben in Mundart. Lenz erklärte, dass es mehr Zeit in Anspruch nehme, als in Schriftsprache. «Den ersten Entwurf habe ich schnell, aber bis ich es überarbeitet habe und es stimmt, dauert es deutlich länger.» Der Vorteil sei, dass man als Schweizer das Mündliche, das Gesprochene besser darstellen könne. (sgg)

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