Medienspiegel
Der Brienzer vom 17. Oktober 2011 (pdf)
Pedro Lenz und Christian Brantschen auf der Goalie-Tour
«Es Härz so schwär wie ne aute Bodelumpe»
Die Kulturvereinigung Brienz und Umgebung hatte am 15. Oktober Pedro Lenz und Christian Brantschen zu Gast. Der Oberaargauer Erfolgsautor und der Musiker brachten dem Publikum den Ex-Junkie nahe, der in Lenz’ erstem Roman «Der Goalie bin ig» seine Geschichten und seine Geschichte erzählt.
Die Bühnen-Ausstattung im Kino Brienz ist marginal. Ein Keyboard, zwei Mikrofone, Kabelschlangen zu den beiden kleinen Verstärkern, die auf Ständern stehen. Ein Tischchen, darauf zwei Mineralwasserflaschen. Kein Tisch und kein Stuhl für eine Lesung. Kein Blumenstrauss und kein warmes Lampenlicht, damit der Autor seine Wörter besser sieht. Pedro Lenz liest stehend, das Buch «Der Goalie bin ig» in der Hand. Weisser Einband, kein Bild, schwarze und dunkelrote serifenlose Buchstaben. Im Grunde genommen ist es keine Lesung, zu der die Kulturvereinigung Brienz und Umgebung eingeladen hat. Pedro Lenz ist kein üblicher Vorleser, sondern ein Spoken-Word-Artist; darauf weist auch die Edition des Buches hin: Spoken script, erschienen im Verlag «Der gesunde Menschenversand». «Der Goalie bin ig» ist trotzdem als geschriebenes Buch ein Abräumer: Schillerpreis für Literatur der Deutschen Schweiz, Nomination für den Schweizer Buchpreis, Literaturpreis des Kantons Bern, über 10’000 verkaufte Exemplare. Pedro Lenz ist gegenwärtig auf einer Goalie-Tour. Als Partner hat er Christian Brantschen dabei, den Tastenmann von Patent Ochsner.
Die Performance des Goalie
Brantschen unterstützt den Goalie. Manchmal untermalt er, was Pedro Lenz liest. Er verdeutlicht die Stimmung; manchmal treibt er den Goalie an und manchmal hält er ihn zurück. Lässt ihn träumen. Pedro Lenz, gross und hager, bewegt sich ein wenig zur Musik. Es scheint, als ob wirklich der irgendwie naive Ex-Junkie Goalie aus seinem schwierigen cleanen Leben nach Witzwil erzählt, mit Rückblenden, Beizenbesuchen, der Reise nach Spanien und der marginalen Liebesgeschichte mit Regula. Er erzählt in der Langenthaler Mundart im Beizen-Slang und in Kürzestsätzen. Allerdings ist der «Goalie bin ig», als Ganzes gelesen, eine komplette und komplexe Geschichte aus dem Drogen-Milieu mit kleinen und etwas grösseren Dealern, mit gnadenlosen Beobachtungen zum Spiessbürgertum, zur Esoterik, zum Schulwesen, zu sozialen Fragen, dicht erzählt und dicht dargestellt. Wie die Geschichte ausgeht, erzählte Lenz in Brienz nicht. Regula, so erzählt der Goalie, «het gfunge, so gängs nid u si heig eifach z Gfueu, i sig en extreme Lafericheib. Was ig aber bruchi, sig nid e Frou, sondern eifach es Publikum für mini Storys». In Brienz gab es ein beachtlich grosses Publikum für die Storys, und es genoss die Performance des Spoken-Word-Poeten im Berner Dialekt, der so ganz andere Vokale und Umlaute hat als das Brienzer Deutsch.