Medienspiegel
WB Willisauer Bote/Wiggertaler Bote, 22. Februar 2011 (pdf)
Reiden | Ausverkaufte Kornschütte – Begeisterung total für «Tanze wie ne Schmätterling»
Sogar die Notstühle musste der Verein KKK Reiden aus dem Kabäuschen holen: Rund 140 Gäste wollten sich Schriftsteller Pedro Lenz und Pianist Patrik Neuhaus nicht entgehen lassen.
Pedro und Patrik füllten die Kommende
von ADELHEID AREGGER
So viele Gäste wie noch nie besuchten am Samstagabend einen Anlass des Vereins «Kultur und Kontakte in der Kommende» in der Kornschütte der alten Johanniterburg in Reiden. Verantwortlich dafür waren der Schriftsteller Pedro Lenz und der Pianist Patrik Neuhaus, bekannt auch als Duo Hohe Stirnen, mit einem Programm wie aus einem Guss.
Rhythmus und Poesie
Eine Lesung auf Berndeutsch, monoton, dazwischen und dazu Klaviermusik. So könnte der Kommentar zu «Tanze wie ne Schmätterling» ganz simpel lauten. Wer aber eintaucht in die Geschichte vom Boxer und der Coiffeuse, wer sich gefangennehmen lässt von der Atmosphäre, kommt dem Erfolgsgeheimnis des Künstlerpaares auf die Spur. Im
gleichbleibenden Fluss der Worte ist Rhythmus, ist Poesie, ist Lautmalerei – begleitet oder verstärkt durch die Töne vom Flügel.
Die Lesung könnte man mit einem Elektrokardiogramm vergleichen. Fast nicht wahrnehmbar sind die Schwingungen über weite Strecken. Bis die metronomisch diktierten Übungen des Boxertrainers die Frequenz erhöhen. Oder die Kurve plötzlich wie wild ausschlägt, weil Pedros wunderschöne Stimme dramatisch oder lyrisch wird. Wenn sie etwa Szenen aus Cassius Clays alias Muhammad Alis Geschichte erzählt und im Jahr 1971 die Situation und Zukunft der Schwarzen Amerikas mit jener der ersten stimmberechtigten Frauen in der Schweiz vergleicht. Oder wenn die Coiffeuse Regula laut
über ihre Begegnung mit dem «greatesten» Boxer der Welt nachdenkt. Aus dem träge dahingleitenden Fluss der Sprache wird dann eine munter sprudelnde Quelle, ein murmelndes Bächlein oder ein reissender Strom. Was Pedro Lenz und Patrik Neuhaus von der Bühne aussenden, findet ein Echo im Publikum. Es reagiert mit heiterem Gemurmel
bis zu befreiendem Gelächter, es spendet Szenenbeifall und einen rauschenden Schlussapplaus. Was die Besucherinnen und Besucher an diesem Februar-Abend in der Reider Kommende erleben, spiegelt sich in ihren Gesichtern.