Medienspiegel

Berner Kulturagenda, 22. April 2010
«Der Goalie bin ig» ist der erste Roman des Spoken-Word-Autors und Kolumnisten Pedro Lenz. Womit dieser beweist, dass ihm auch lange Texte liegen. Die Mundart-Geschichte über einen Ex-Junkie reisst unspektakulär mit.
Berner Kulturagenda vom 22. April 2010 (pdf)

Roman im Plauderton

Pedro Lenz tauft seinen ersten Roman in der Buchhandlung Thalia
In seinem Buch geht es um den «Goalie», der nie Torwart war, aber irgendwie durch die Maschen gefallen und hinter Gittern gelandet ist. Lenz tischt uns eine wunderbare Geschichte auf.


Dieser “Goalie” hat einen nach ein paar Zeilen in der Tasche. Typisch für die Figuren, die sich in Pedro Lenz’ Geschichten tummeln: Er ist glanzlos, eher auf der Verliererseite, nicht ohne Makel, aber ganz sympathisch. Im vorliegenden Fall heisst das: Der Goalie kehrt nach einem Gefängnisaufenthalt wegen Rauschgift-Delikten ins Dorf zurück und versucht, sich in seinem Leben wieder zurechtzufinden und Regula für sich zu gewinnen.

Überzeugend gezeichneter Plauderi
Im Plauderton, wie in der Beiz, tischt uns der Goalie seine unspektakuläre, aber packende Story auf. Nach ein paar Seiten des Angewöhnens an die geschriebene Mundart hängen wir ihm an den Lippen, weil er seine ausschweifenden Geschichten so gut erzählt. Ungeduldige Leserinnen und Leser mögen der Geschwätzigkeit und der Wiederholungen im Monolog dieses Laferis vielleicht überdrüssig werden. Und wenn auch: Das 180-seitige Buch ist eine runde Sache, weil die Figur so überzeugend gezeichnet ist.
Pedro Lenz siedelt die Geschichte im Oberaargau seiner Jugend an. Als er 16 Jahre alt war, übten die Drogensüchtigen eine gewisse Faszination auf ihn aus. “Sie erzählten in der Beiz die besten Geschichten, sie mussten immer eine gute Erklärung bereithalten, warum sie den Fünfziger gerade nicht dabeihatten”, erinnert er sich im Gespräch.
Weil Langenthal so überschaubar war, durchmischten sich die Szenen. Pedro Lenz hatte Kontakt mit den Drögelern, allerdings ohne mit den Substanzen in Berührung zu kommen. Er scheint gut beobachtet zu haben: Nebst der allgegenwärtigen Kreativität im Umgang mit der Wahrheit handelt sein Buch von der Kleinkriminalität, von den Fahndern und von der Solidarität unter den Süchtigen.

Texte für die Bühne
Dass sich das Buch so leicht liest, liegt daran, dass Pedro Lenz in einer mündlichen Sprache schreibt. Tonfall und Tempo hat der Autor in seinen Kurzgeschichtensammlungen und auf der Bühne (etwas mit der Autorengruppe “Bern ist überall") über Jahre hinweg perfektioniert. Pedro Lenz ist es vorzüglich gelungen, die Sprache der Leseabend-Amuse-Bouches zur Sprache des sättigenden Menüs auszubauen und dabei den Leser bei Laune zu halten.
Der Roman hat ein anderes Buchprojekt von Pedro Lenz überholt, an dem er schon länger arbeitet und das nächstes Jahr erscheinen soll. Es wird in deutscher Sprache erscheinen und sich ein, zwei Schritte vom direkten Spoken Word entfernen, wie Pedro Lenz verrät.
Zurück zur Gegenwart: “Der Goalie bin ig” ist ein Teil der neuen Reihe “Edition Spoken Script” des Verlags “Der gesunde Menschenversand”. Ein weiterer Autor in dieser Reihe, Beat Sterchi, präsentiert in einer Art Doppeltaufe mit Pedro Lenz’ “Goalie” seine Sprechtexte mit dem Titel “Ging Gang Gäng”.

Buchhandlung Thalia, Bern
Mi., 28.4., 19.30 Uhr
http://www.menschenversand.ch

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Pedro Lenz